Sagen um Walpernhain

Der Nixtümpel bei Walpernhain

Ein junges Mädchen ging einst von Stolzenhain nach Walpernhain. Betrübt und traurig schritt sie auf dem Peter-Pauls-Wege dahin. Als sie in die Nähe des Nixtümpels kam, gewahrte sie schon von weitem eine Nixe in dem Wasser, eine schöne, liebliche Frauengestalt mit langem, grünlichem Haar. Ihr Leib endete in einer großen Fischschwanzflosse. Leicht bewegte sich die Nixe in dem Wasser hin und her. Die flinken und gewandten Bewegungen, die die Nixe mit ihrem Fischschwanze machte, erregten die Aufmerksamkeit und Bewunderung des Mädchens, dass es am Rande des Tümpels stehen blieb und dem munteren Spiel der Nixe zuschaute. Diese näherte sich und sprach das junge Mädchen an. Sie versprach ihm Glück und dauernde Freude, wenn es zu ihr käme. Das Mädchen folgte ihren Lockungen und stieg in das Wasser. Es wurde von der Nixe in die Arme genommen und in die Tiefe gezogen.
Am anderen Tage fand man seine Leiche im Wasser, das sich rötlich gefärbt hatte. Die rötliche Farbe hat sich bis zum heutigen Tage erhalten. Die Nixe ist nie wieder gesehen worden.

Die Höhle im Speckberge

Zwischen Walpernhain und Pötewitz fließt ein Bach, dessen klares, von Forellen belebtes Wasser durch einen romantischen Grund der Elster zueilt. Auf der linken Seite erhebt sich der Speckberg, der eine interessante Kalkflora aufweist. Seine steilen Hänge sind von dichtem Buschholz bewachsen, überragt von stattlichen Eichen und Ulmen. Wie der Speckberg zu seinem Namen gekommen ist, darüber berichtet die Sage, die man sich in den benachbarten Dörfern erzählt.
An einem herrlichen Frühlingstage suchte eine Schar Kinder Blumen an den steilen Hängen des Speckberges. Zwei der Knaben hatten sich in ihrem Eifer etwas von den übrigen entfernt und hielten bereits einen stattlichen Strauß Himmelsschlüsselchen in ihrer Hand. Bei ihrer Kletterei am steilen Berghang verloren sie einige der gesammelten Blumen. Kaum waren die Schlüsselblumen zu Boden gefallen, da tat sich vor ihren Augen der Berg auf. Sie sahen einen fast mannshohen Eingang zum Inneren des Berges. Die beiden beherzten Knaben drangen mutig in den dunklen Gang vor, bis sie in einer geräumigen Höhle standen. Hier wurde es plötzlich hell, denn von allen Seiten umgab sie ein wunderbares, herrliches Leuchten, Flimmern und Funkeln. Ungeheure Gold- und Silberschätze erstrahlten von Decke und Wänden in märchenhaftem Glanze. Auf dem Boden lagen große Mengen Speck, von dem sie gern etwas mitgenommen hätten. Als sie alles genau betrachtet hatten, meinte der eine: „Das wollen wir den anderen auch zeigen“. Sie gingen zum Ausgang, um ihren Kameraden die Pracht zu zeigen. Da verschloss sich der Berg.
Nachdem sie alle wieder beisammen waren, suchten sie nach dem Eingang der Höhle. Doch soviel sie auch suchen mochten, sie konnten ihn nicht mehr finden.


Quelle: „Holzlandsagen“ (5. Auflage), neu herausgegeben von Paul Heinecke und Gerhard Ost